Risikogrundlagen gravitative Naturgefahren im Kanton Graubünden
Risikogrundlagen für den Umgang mit Naturgefahren
Was kann passieren, was darf passieren und was ist zu tun? Diese drei Fragen prägen den Umgang mit Naturgefahren in der Schweiz. Ziel ist ein risikobasiertes Vorgehen. Antworten finden wir nur, wenn wir die bestehenden Risiken kennen, bewerten und vergleichen können.
Risikoübersichten zeigen, wo Gefahren auf Schutzgüter treffen. Sie machen sichtbar
- wo Schutzdefizite vorhanden sind
- wo Handlungsbedarf besteht
- wo Mittel prioritär eingesetzt werden können
Damit lassen sich Massnahmen gezielt planen und Ressourcen effizient einsetzen.
Im Auftrag des Amts für Wald und Naturgefahren Graubünden und in enger Zusammenarbeit mit der Gebäudeversicherung Graubünden, Infrastrukturbetreibenden und weiteren kantonalen Fachstellen entstehen kantonsweite «Risikogrundlagen GR». geo7 unterstützt die Fachstellen bei der methodischen Entwicklung, der Datenaufbereitung und der Umsetzung.
Grundlagen und Methodik der Risikogrundlagen GR
Ein Risiko entsteht, wenn eine Gefahr auf ein Schutzgut trifft. Die Grundidee der Risikogrundlagen ist deshalb einfach: Gefahrenbereiche werden mit Schutzgütern überlagert. So wird sichtbar, wo Risiken bestehen. Die «Risikogrundlagen GR» betrachten die gravitativen Naturgefahren Lawinen, Rutschungen, Sturz- und Wasserprozesse.

Basisdaten für die Risikoberechnung sind
- Bestehende Gefahrengrundlagen des Kantons Graubünden: Intensitätskarten, Gefahrenkarten und Gefahrenhinweiskarten für die Prozesse Sturz, Rutsch, Lawinen und Wasser.
- Schutzgüter Personen und erhebliche Sachwerte: Wo befinden sich Gebäude, Infrastrukturen oder weitere Sachwerte?
- Parameter, die das mögliche Schadenausmass präzisieren: Wert, Expositionsgrad und Verletzlichkeit des Schutzguts sowie räumliche Auftretenswahrscheinlichkeit des Gefahrenprozesses
Die Berechnung der Risiken erfolgt mit dem Berechnungstool EconoMe des Bundes. Daraus entstehen verschiedene Produkte:
- Geodaten für GIS-Anwendungen
- Karten für Planung und Kommunikation
- Tabellen für vertiefte Auswertungen
- Datenexport für weitere Anwendungen
Die Methodik so aufgebaut, dass neue Gefahrengrundlagen, veränderte Schutzgüter, oder angepasste Parameter einfach integriert werden können. Eine Aktualisierung der Risikogrundlagen ist somit jederzeit möglich.
Der Mehrwert von Risikogrundlagen
Erfahrungen aus anderen Kantonen zeigen:
- Risikogrundlagen schaffen Transparenz
- sie ermöglichen fundierte und nachvollziehbare Entscheide für einen risikobasierten Umgang
- sie unterstützen die Kommunikation zwischen Fachstellen, Gemeinden und Politik
- sie bilden die Basis für eine wirksame und wirtschaftliche Massnahmenplanung
Voraussichtlich ab Herbst 2026 stehen erste Risikoprodukte im Kanton Graubünden zur Verfügung.
Risikoanalysen sind auf verschiedenen räumlichen Ebenen und mit unterschiedlichem Detaillierungsgrad möglich. Mehr dazu lesen Sie im Blogbeitrag Risikoübersichten - wichtige Grundlagen für das Integrale Risikomanagement IRM
Ein Fachartikel zu den «Risikogrundlagen gravitative Naturgefahren Kanton Graubünden» erschien in der Oktoberausgabe 2025 des Bündner Wald. Sie finden ihn auch als PDF unter Downloads auf dieser Seite.
Wenn auch Sie Entscheide auf fundierte Risikoanalysen abstützen möchten, unterstützen wir Sie gerne. Ähnliche Projekte und Anwendungen haben wir erarbeitet bzw. sind in Erarbeitung für die Kantone Luzern, Uri und Bern (Oberingenieurkreis IV), Infrastrukturbetreiber wie die Schweizerischen Bundesbahnen SBB, Appenzeller Bahnen und Südostbahn AG oder die Kantonalen Gebäudeversicherungen Bern, St. Gallen und Zug.