20. Februar 2018

Snow matters

Was haben der Eisbär in der Arktis und Bruno Jelk, der Lawinen-Chef von Zermatt gemeinsam? Mehr als man vielleicht denkt. Beide sind mit den Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert. Der Zusammenhang zwischen Arktiseis und strengen Wintern auf der Nordhemisphäre war unter anderem ein Thema an der SnowHydro Konferenz, die vom 12. bis 14. Februar in Heidelberg stattfand.

Das National Snow & Ice Data Center meldet am 6. Februar die geringste Eisausdehnung in der Arktis im Januar seit Messbeginn. MeteoSchweiz meldet den niederschlagsreichsten Januar seit Messbeginn an vielen Stationen und einen rekordwarmen Januar. Dazu kommen Schneehöhen, die zumindest in höheren Lagen nahe an den Rekordwerten liegen. Folge davon waren eine grosse, gebietsweise sogar eine sehr grosse Lawinengefahr in den Alpen und Hochwasserabflüsse im Mittelland, die durch Regen bis in grosse Höhen ausgelöst wurden.

Aber erinnern wir uns noch an die Schlagzeilen vor einem Jahr? Der Winter 2016/17 war einer der schneeärmsten und kürzesten Winter seit Messbeginn, der Januar 2017 der kälteste Januar der letzten 30 Jahre. Das Wetter- und Klimasystem liefert Rekorde in hoher Kadenz. Dies zeigt auch die Auswertung von MeteoSchweiz zu den Wärmerekorden.

Wärmerekorde und strengere Winter, ist das nicht ein Widerspruch? Scheinbar nein. In seinem Keynote-Referat an der SnowHydro 2018 ging Juda Cohen vom MIT Cambridge (USA) auf mögliche Zusammenhänge zwischen der Zunahme von strengen Wintern in der nördlichen Hemisphäre einerseits und der rasanten Schmelze des Eises in der Arktis sowie der Zunahme der Schneedecke in Sibirien ein. Er zeigte anhand von verschiedenen Studien, dass diese Veränderungen, vor allem im Winter, die atmosphärische Zirkulation und somit das Wetter in unseren Breiten beeinflussen. Die Klimaerwärmung kann demnach in der nördlichen Hemisphäre zu strengeren Wintern führen.

In weiteren Vorträgen wurde der Einfluss des Klimawandels auf die Schneedecke in verschiedenen Regionen der Erde vorgestellt. Dazu gehören auch vermehrte Regen auf Schnee Ereignisse und deren Auswirkungen. Weitere Themen waren die Fortschritte in der schneehydrologischen Modellierung und in der Messtechnik sowie die Anwendung neuer Remote Sensing Daten in der Schneehydrologie.

Schneehydrologische Fragestellungen sind auch in verschiedenen Projekten von geo7 ein Thema. Begonnen hat es mit der Zuflussprognose zum Thuner- und Brienzersee im Frühling 1999. Dazu hat geo7 ein eigenes schneehydrologisches Modell entwickelt. Dieses Modell wurde in verschiedenen weiteren Studien angewendet, beispielsweise für die Herleitung von Zuflussszenarien als Basis für die Steuerung des Entlastungsstollens in Thun. Aktuell wird das Modell für die Analyse des Regen auf Schnee Ereignisses von Anfang Januar 2018 eingesetzt. Dabei geht es auch um die Abschätzung des Einflusses der Schneeschmelze auf den Oberflächenabfluss und die Hangmuren, die bei diesem Ereignis recht verbreitet aufgetreten sind.

Veränderungen bei der Schneedecke bedingt durch den Klimawandel waren auch ein Thema bei der Analyse des Potenzials der Speicherseen im Oberhasli als Multifunktionsspeicher. Und auch in einer aktuellen Studie von geo7 zur Klimasensitivität von Naturgefahrenprozessen im Kanton Wallis spielen die Schneedecke und der Einfluss des Klimawandels auf die Gefahrenprozesse eine wichtige Rolle.

Diese Beispiele zeigen, geo7 nimmt das Motto „weil unsere Welt sich wandelt“ ernst und erarbeitet Grundlagen für die Anpassung an den Klimawandel.

Entwicklung der arktischen Eisausdehnung

 

Nassschneelawine am Brienzersee (Bild: Zora Herren)

 

Murgang im Simmental (Foto: Simmentalerzeitung)