08. August 2017

Multifunktionsspeicher im Oberhasli - Möglichkeiten und Grenzen

Die Kraftwerte Oberhasli kündigten an, noch in diesem Sommer das Konzessionsgesuch für den Bau eines neuen Speichersees und eines neuen Kraftwerkes im Gebiet Trift einzureichen. In Erwartung dieses Entscheides hat das Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern durch geo7 eine Studie ausarbeiten lassen, welche die Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung der Speicherseen im Grimselgebiet als Multifunktionsbecken aufzeigt.

In den letzten Jahren wird vermehrt über die Möglichkeit diskutiert, die Speicherseen, die bisher ausschliesslich für die Stromproduktion genutzt wurden, auch für die Verbesserung der Hochwassersicherheit und für die Bewältigung von Trockenheit einzusetzen. Im Rahmen der Studie für das Amt für Wasser und Abfall wurden die Potenziale der Speicherseen der Kraftwerke Oberhasli bezüglich Hochwassersicherheit und Trockenheitsbewältigung analysiert. Dazu wurden neben den heutigen Klimabedingungen auch zwei Klimaszenarien betrachtet, die aus den Szenarien CH2011 abgeleitet wurden. Um den Einfluss der Kraftwerke aufzuzeigen wurden ausserdem drei unterschiedliche Ausgangslagen untersucht: eine ohne Kraftwerke, dann die heutige Konfiguration und weiter eine Konfiguration mit dem neuen Triftsee.

Für die Analyse wurde das hydrologische Modell Aare, das geo7 bereits früher für verschiedene Projekte entwickelt hat, dahingehend erweitert, dass damit die Bewirtschaftung der Speicherseen simuliert werden kann. Im Weiteren wurde die Gletscherschmelze in das Modell integriert.

Um den Einfluss auf die Hochwassersicherheit abzuklären wurden Simulationen für Starkregenereignisse durchgeführt. Aus den Klimaszenarien ergaben sich unterschiedliche Lagen der Schneefallgrenzen und unterschiedliche gletscherbedeckte Flächen. Die Analyse zeigt, dass die Speicherseen heute einen wichtigen Beitrag zur Hochwassersicherheit im Haslital leisten und dass durch den geplanten Triftsee die Hochwassersicherheit im Aaretal zwischen Meiringen und Brienzwiler weiter verbessert werden kann. Aus der Analyse geht jedoch auch hervor, dass unterhalb des Thunersees die Pufferwirkung von Brienzer- und Thunersee einen wesentlich grösseren Effekt hat.

Für die Analyse der Trockenheitsproblematik wurden einerseits Langzeitsimulationen über 30 Jahre durchgeführt, andererseits Trockenperioden analog 2003 und 2015 detailliert simuliert. Aus den Analysen geht hervor, dass die durch den Klimawandel bedingten Veränderungen vor allem in Trockenjahren im Sommer und Herbst einschneidend sein werden, weil einerseits weniger Schmelzwasser von den Gletschern anfallen wird, andererseits auch die Schneeschmelze weniger Wasser liefern wird. Die Möglichkeiten, diese Effekte mit dem in den Stauseen gespeicherten Wasser abzupuffern sind gering, da die Problemgebiete im Kanton Bern vor allem im Seeland liegen. Hier beträgt der Anteil der durch die Stauseen beeinflussbaren Einzugsgebietsfläche lediglich 10 %. Andererseits kommt den Kraftwerken Oberhasli eine grosse Bedeutung in der Stromnetzstabilisierung zu. Damit sind die Freiheitsgrade für die Kompensation in Trockenperioden sehr eingeschränkt.