04. September 2018

Komplexe Wildbachprozesse: beim Fellbach und Teiffe Grabu ist alles dabei

Die Beurteilung von geomorphologischen Prozessen im alpinen Raum, insbesondere deren Wechselspiel und Verkettung, gehört zu den Kernkompetenzen von geo7. Wichtig ist dabei insbesondere auch die langjährige Erfahrung in der Beurteilung und Analyse von ausserordentlichen Hochwasserereignissen, wie zum Beispiel bei den Ereignisanalysen 2005 oder 2011. Bei unseren aktuell bearbeiteten Wildbächen Fellbach und Teiffe Grabu kamen das vielfältige Methodenset und der grosse Erfahrungsschatz von geo7 vollumfänglich zum Einsatz.

Die Beurteilung von steilen Bächen im alpinen Raum, im Wechselspiel von Gletscher-, Periglazial- und Wildbachprozessen, gehört zu den Kernkompetenzen von geo7. Neben dem Verständnis zu den einzelnen Teilprozessen sind dabei insbesondere Prozessketten von besonderer Bedeutung und müssen bei der Beurteilung berücksichtigt werden. Ein systemischer Ansatz, der dieser Komplexität Rechnung trägt, hilft dabei die unterschiedlichen Einflussfaktoren transparent zu untersuchen. Der Fellbach und der Teiffe Grabu in der Gemeinde Saas-Balen vereinen ein breites Spektrum an geomorphologischen Prozessen. Die detaillierte Gefahrenbeurteilung und Abklärung von Schutzmassnahmen stellt daher eine besondere, aber auch sehr schöne Herausforderung dar und lässt das Geographenherz höher schlagen.

Seen am Fusse des Grubengletschers im dynamischen Einzugsgebiet des Fellbachs, Blick talwärts.

Der Fellbach und der Teiffe Grabu sind zwei benachbarte Wildbäche auf dem Gemeindegebiet von Saas-Balen. Der Fellbach wird im oberen Teil massgeblich durch glaziale und periglaziale Prozesse geprägt. Beim Grubengletscher am Fusse des Fletschhorns entstehen und verschwinden randglaziale Seen, in denen teilweise durch Gletscherabbrüche Flutwellen entstehen können. Felsstürze aus den auftauenden Felsflanken führen zu Toteismassen, die über lange Zeit erhalten bleiben können. Das Periglazialgebiet ist geprägt von mehreren grossen Blockgletschern und Thermokarstseen. Unterhalb der grossen Bastionsmoräne beginnt das eigentliche Wildbachgerinne mit mehreren Stufen, welche Erosions- und Ablagerungsbereiche bilden. Anschliessend folgt ein sehr steiler Abschnitt mit einer Wasserfall-Kaskade bevor der Bach in einer gepflästerten Schale durch den Siedlungsbereich in die Saaser Vispa geleitet wird. Beim Teiffe Grabu hingegen wird das Prozessgeschehen durch den grossen Jegi-Blockgletscher dominiert. An der Stirnseite des sehr aktiven Blockgletschers können Murgänge losreissen, die das Gerinne des Teiffe Grabu erreichen können. Der Graben selber ist grobblockig, sehr steil und im Gegensatz zum Fellbach fehlen grössere Flachstrecken. Kleinere Geschiebesammler oberhalb des Dorfes halten einen Teil des Geschiebes zurück, unterhalb folgen eine gepflästerte Schale und eine Eindolung von der Kantonsstrasse bis in die Saaser Vispa.

Eine lange Ereignisgeschichte dokumentiert die hohe Aktivität des Fellbachs. Insbesondere verwüstete der Ausbruch eines Gletschersees mit nachfolgender Flutwelle und Umwandlung in einen Murgang im Sommer 1968 das Dorf Saas-Balen. Zwei Jahre später folgte das nächste Murgangereignis. In der Folge wurden im Einzugsgebiet der Fellsee stabilisiert und das Gerinne im Dorf stark verbaut. Im Gegensatz dazu steht der Teiffe Grabu, welcher eine sehr magere Ereignisdokumentation aufweist. Beide Bäche gefährden das Dorf Saas-Balen massgeblich durch Murgänge und dynamische Überschwemmung.

Frische Murgangspuren im oberen Einzugsgebiet des Teiffe Grabu.

Im Auftrag der Gemeinde Saas-Balen und in Begleitung der kantonalen Dienststelle hat geo7 in einem ersten Schritt bei beiden Bächen eine detaillierte Gefahrenbeurteilung durchgeführt. Beim Fellbach bildete die Analyse der Ereignisse 1968 und 1970 eine wichtige Grundlage. Anschliessend wurde das geomorphologische System mit den unterschiedlichen Komponenten dargestellt, Prozessketten abgebildet und die Ereignisszenarien mit Hilfe von Ereignisbäumen abgeleitet. Der Grubengletscher ist stark im Rückzug. Daher wurde zusätzlich die künftige Entwicklung des Klimas und des Gletschers untersucht und deren Einfluss auf die einzelnen Prozesse und Tendenz auf die Gefahrensituation wurde abgeklärt. Beim Teiffe Grabu standen der Jegiblockgletscher und seine Aktivität im Vordergrund. Insbesondere wurden hydrologische Modellierungen mit unterschiedlichen Niederschlagstypen durchgeführt, um quantitative Angaben zur Wassermenge, die für den Geschiebetransport und die Murgänge zur Verfügung steht, zu erhalten. Auf die Festlegung der Szenarien folgte die Schwachstellen- und Wirkungsanalyse je Bach. Die Gefahrenkartenkarten zeigen klar, dass grössere Teile des Dorfes Saas-Balen durch Murgänge aus dem Fellbach oder Teiffe Grabu gefährdet sind. Aktuell klären die geo7 AG und die VWI Ingenieure AG aus Naters ab, wie mit diesen Gefährdungen aus sehr dynamischen Einzugsgebieten umgegangen werden kann und welche Schutzmassnahmen getroffen werden können.