Geowissenschaften in der Praxis
04. Dezember 2023

Hochwasserschätzmethoden in der Praxis

Für die gutachterliche Hochwassersabschätzung in Einzugsgebieten ohne Abflussmessungen werden in der Schweiz verschiedene Schätzformeln genutzt. Um deren Anwendung zu vereinfachen und zu vereinheitlichen, stehen neue Faktenblätter zu den einzelnen Methoden und ein Leitfaden für die Anwendung und Plausibilisierung der Ergebnisse zur Verfügung.

In Einzugsgebieten ohne Abflussmessungen haben sich in der Schweiz einfache Schätzformeln etabliert, um Hochwasserabflussspitzen gutachterlich zu bestimmen. Die verschiedenen Formeln ermöglichen es, anhand relativ einfach zu bestimmender Einzugsgebietsparameter und z.T. auch Niederschlagsangaben, in kurzer Zeit einen Abflusswert zu bestimmen. 

Gängige Schätzmethoden zur Hochwasserabschätzung, für welche je ein Faktenblatt (rechts) erstellt wurde.
Gängige Schätzmethoden zur Hochwasserabschätzung, für welche je ein Faktenblatt (rechts) erstellt wurde.


Die verschiedenen Schätzmethoden werden in unterschiedlichen Fachpublikationen  beschrieben (z.B. in BWG 2003, Barben 2003 oder Dobmann 2009). Für deren Anwendung stehen kostenlosen Softwareprodukten wie HAKESCH und HQx_meso_CH oder das online-Tools www.ganglinie.ch zur Verfügung. Dennoch werden die Schätzmethoden in der Praxis nicht einheitlich angewendet.

Im Auftrag des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL) hat geo7 Hilfsmittel für eine einheitliche und nachvollziehbare Anwendung der Schätzmethoden in der Praxis erarbeitet. Diese sind neu in Form von Faktenblättern und einem Leitfaden frei verfügbar.
 

Faktenblätter Schätzmethoden

Die in der Schweiz gängigen Methoden zur Hochwasserabschätzung in Einzugsgebieten ohne Abflussmessungen werden je auf einem Faktenblatt präsentiert. Alle wichtigen Informationen zur Anwendung und den verwendeten Parametern sind auf einer DIN A4-Seite zusammengefasst und ermöglichen es Fachpersonen, sich in kurzer Zeit einen Überblick zu verschaffen und die einzelnen Methoden miteinander zu vergleichen.

Aufbau der Faktenblätter. Die Informationen zu jeder Schätzmethode sind einheitlich und vergleichbar auf je einem A4-Blatt dargestellt.
Aufbau der Faktenblätter. Die Informationen zu jeder Schätzmethode sind einheitlich und vergleichbar auf je einem A4-Blatt dargestellt.


Leitfaden zur Anwendung

Ein Leitfaden in Form eines Entscheidungsbaums unterstützt die Fachpersonen dabei, aus den Einzelergebnissen der unterschiedlichen Schätzmethoden eine repräsentative Hochwasserspitze zu bestimmen. Der systematische Ablauf des Leitfadens stützt sich grundsätzlich auf die Vorschläge aus der Praxishilfe des BWG, 2003 und ergänzt diese mit einer Hilfestellung bei der Plausibilisierung der Ergebnisse.

Möglichkeit zur Plausibilisierung: Vergleich der berechneten Schätzwerte für das HQx im Vergleich mit anderen dokumentierten Hochwasserabflüssen in der Schweiz (Daten aus Scherrer et al. 2018).
Möglichkeit zur Plausibilisierung: Vergleich der berechneten Schätzwerte für das HQx im Vergleich mit anderen dokumentierten Hochwasserabflüssen in der Schweiz (Daten aus Scherrer et al. 2018).


Geowissenschaften in der Praxis

Durch die Aufbereitung der bekannten Schätzmethoden in Faktenblättern und einem Leitfaden werden sie für die Praxis noch besser nutzbar. Die neuen Hilfsmittel unterstützen die strukturierte und nachvollziehbare Anwendung und Plausibilisierung der Ergebnisse der Hochwasserabschätzung. Dies bringt einen Mehrwert sowohl in der Hochwasserabschätzung im Einzelfall, da die Fachpersonen Unterstützung erhalten, als auch im Gesamten, da durch einheitlicheres Vorgehen auch die Resultate vergleichbarer werden. Gutachterliche Fachkompetenz bleibt nach wie vor zentral.


Nutzen Sie die neuen Hilfsmittel

Weitere Informationen zu den neuen Hilfsmitteln finden Sie im Artikel Hochwasserschätzmethoden in der Praxis in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift WEL Wasser, Energie, Luft 4/2023 oder in der Rubrik Downloads unten auf dieser Seite.

Die Faktenblätter, der Leitfaden und ein Glossar mit Fachbegriffen stehen frei zum Download unter www.ganglinie.ch zur Verfügung. Dort finden Sie auch das online-Tool zur Anwendung der Methoden.

Kenntnisse in der Hydrologie und hydrologischen Modellierung sind Voraussetzung um die Methoden richtig anzuwenden und die Ergebnisse korrekt zu interpretieren. Falls Sie Fragen haben, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren: Gerne unterstützen wir Sie bei Ihren Projekten.

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Michael Rinderer
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