12. März 2018

Brandheisse Neuigkeiten zum Naturgefahren-Ingenieurwesen aus dem eiskalten Wien

Welche Neuigkeiten gibt es zum Stand der Technik im Naturgefahren-Ingenieurwesen? Diese Frage wurde an der 2. Fachtagung vom 21. – 23. Februar an der BOKU in Wien beleuchtet, Antworten wurden gefunden und es zeigte sich wo noch Handlungsbedarf besteht.

An der internationalen 2. Fachtagung zum Stand der Technik im Naturgefahren-Ingenieurwesen vom 21. – 23. Februar 2018 an der Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU) wurden aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis in zwölf Sessions intensiv diskutiert. Wie der Titel schon verrät, lagen Naturgefahren im Fokus.

Universität für Bodenkultur Wien im Guttenberghaus
Universität für Bodenkultur Wien im Guttenberghaus (Quelle: Institut für alpine Naturgefahren IAN der BOKU)

Die Themenschwerpunkte drehten sich um technische Aspekte wie Schutzkonzepte, schutzwirksame Wälder und Monitoring aber auch um Risiko-, Krisen- und Interventionsmanagement sowie um Raumordnung. Klar zeigte sich, dass Information und Kommunikation vor / während / nach einem Naturgefahren-Ereignis bei der Warnung und Ereignisbewältigung aber auch in der Prävention wohl die entscheidenden Faktoren sind. Wenn die Information nicht zielgruppengerecht aufbereitet und überbracht wird, bringen auch die besten, komplexesten Studien, Modelle und Werkzeuge nicht den erhofften Nutzen.

Technische Details wurden zum Monitoring von Naturgefahrenprozessen und zur Konstruktion und Ausführung von Schutzmassnahmen gegen Wildbach-, Lawinen- und Steinschlagprozesse behandelt. Prominent vertreten war dabei das Thema Schwemmholz in Theorie und Praxis sowie neue, innovative Schutzbauwerke wie Netzsperren. Aber auch Detailfragen wurden beleuchtet: was muss beim Bauen mit Beton beachtet werden, wie werden Massnahmen fundiert? Fragen zur Ökologie trafen bei diesem eher technischen Hintergrund auf kontroverse aber durchaus gute und konstruktive Diskussionen und Lösungsansätze. Auch hier zeigt sich: Kommunikation ist alles und gemeinsam können integrale Lösungen erarbeitet werden. Neben dem problematischen Schwemmholz ging es aber auch um die positiven und wichtigen Aspekte von schutzwirksamen Wäldern.

Welche vielfältigen Ansprüche und Erwartungen in Bezug auf die Raumplanung bestehen, zeigten die unterschiedlichsten Beiträge. Wie mit diesen Herausforderungen umgegangen wird ist regional (oder gar kommunal) extrem unterschiedlich. Freihalteräume für den Überlastfall oder die Bestrebung, dass im geschützten Bereich einer Schutzbaute das Schadenpotential nicht weiter ansteigt, treffen dabei auf das Spannungsfeld der künftigen Entwicklung der Gesellschaft und Wirtschaft. Der Begriff „Respektabstand“ bringt die zentrale Frage auf den Punkt: welchen Raum benötigen wir zum risikobasierten Umgang mit Naturgefahren?

Praxisnah und direkt wurden Fragestellungen aufgenommen und offen diskutiert. Bereichernd war insbesondere auch zu sehen, wie in Österreich oder Deutschland mit den vielschichtigen Themen umgegangen wird – ein Blick über den Tellerrand eröffnet neue Perspektiven und liefert wertvolle Inputs. Auf diesen Erfahrungen wollen wir bei geo7 aufbauen und zu neuen Lösungsansätzen beitragen.

Betelriedgraben
Betelriedgraben, Wildbachsperren in der Praxis (Quelle: geo7)