22. Juni 2017

Bewertung der Versorgungslage durch Erreichbarkeitsanalysen

Angebote erhalten ihre Rechtfertigung, wenn ein entsprechender Bedarf nachweislich vorhanden ist und bedient werden kann. geo7 unterstützte das Projekt Monitoring der regionalen und überregionalen Patientenströme der Firma socialdesign, in dem das medizinische Versorgungsangebot (Spitäler) mit dem Bedarf der Wohnbevölkerung in einer Erreichbarkeitsanalyse in Beziehung zueinander gebracht wurde.

Der nachfolgende Artikel wurde erstellt in Zusammenarbeit mit Reto Jörg von socialdesign. Er erschien in der Mai-Ausgabe von Geomatik Schweiz

Analyse der Gesundheitsversorgung

Im Rahmen der koordinierten Versorgungsplanung der Nordwestschweizer Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt wurde socialdesign beauftragt, das Angebot und die Inanspruchnahme stationärer und ambulanter Versorgungsleistungen sowie deren Entwicklung zu analysieren.
Wie in vielen anderen Fällen, ist auch im Kontext von medizinischen Versorgungsleistungen die geografische Nähe zwischen Angeboten und Patienten ein wesentlicher Faktor. Aus diesem Grund entschied sich socialdesign beim Monitoring der Patientenströme für eine GIS-Analyse und somit für die Zusammenarbeit mit geo7.
Tatsächlich hängt die medizinische Versorgung der Bevölkerung massgeblich vom Standort der Dienstleistungserbringung ab. In besonderem Masse gilt dies für die Notfallversorgung, die nachfolgend diskutiert wird. In Notfällen kann die Nähe beziehungsweise zeitnahe Verfügbarkeit eines entsprechenden Versorgungsangebots über Leben und Tod entscheiden. Allerdings lässt sich die geografische Nähe auf viele Arten ausdrücken. Im vorliegenden Fall bot sich eine Analyse der Fahrwege an.
Die Voraussetzung war das Vorliegen von Angeboten und Bedarf als Geodaten. Hierfür wurde das Angebot (Spitäler und Kliniken) ausgehend von den aktuell geltenden Spitallisten georeferenziert. Der Bedarf (Bevölkerung) wurde mit dem Hektar-Datensatz STATPOP des Bundesamtes für Statistik modelliert.
Bei der Distanzrechnung entschied man sich für eine Nutzung von ArcGIS Online, wo unter anderem die Fragestellung der Fahrzeugerreichbarkeit mit verschiedenen Analyse-Werkzeugen bedient wird. Aus der Kombination der erwähnten Datengrundlagen liess sich der Anteil der Bevölkerung ermitteln, der das nächste Angebot der stationären Notfallversorgung innerhalb einer Fahrzeit von 15, 20 bzw. 30 Minuten erreicht (vgl. Abbildung).
Der Einsatz von GIS-Analysen ist im Zusammenhang mit der Notfallversorgung naheliegend, da die Erreichbarkeit ein unmittelbarer Indikator für die Versorgungsgüte darstellt. Im Rahmen des Monitorings der Patientenströme wurden analoge Erreichbarkeitsanalysen auch als indirekter Indikator eingesetzt, um allfällige Tendenzen der Überversorgung zu identifizieren. Die ermittelten Fahrzeiten können aber auch als Erklärungsfaktor dienen – beispielsweise bei der statistischen Modellierung des Entscheides für ein bestimmtes Versorgungsangebot.

Erreichbarkeitsanalysen allgemein

Erreichbarkeitsanalysen lassen sich in vielen Gebieten durchführen. Die Georeferenzierung von Angebot und Nachfrage, bzw. Bedarf ist oftmals einfach oder wurde bereits gemacht. Die möglichen Erkenntnisse sind vielfältig. Aus den Resultaten lassen sich Unter- und auch Überversorgungen visualisieren. Gleichzeitig kann eine Bewertung der bestehenden Angebote oder gar eine Simulation mit fiktiven Standorten durchgeführt werden. Mit den Resultaten können Thesen untermauert oder Entscheide begründet werden.