08. November 2019

ANYWHERE - unser Horizon2020 Projekt auf der Zielgeraden

Warnung gewinnt im Naturgefahrenmanagement neben anderen organisatorischen Massnahmen immer mehr an Bedeutung, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Im Rahmen des Horizon2020 Projektes ANYWHERE (enhANcing emergencY management and response to extreme WeatHER and climate Events) wurden Methoden für die Frühwarnung und das Nowcasting verbessert und als Prototypen auf Informationsplattformen umgesetzt. Dabei geht man über die reine Warnung vor Naturgefahrenprozessen hinaus und bezieht den Impakt dieser Prozesse auf Siedlungen und Infrastruktur mit ein. Die Schweizer Projektpartner sind für Naturgefahrenprozesse im voralpinen und alpinen Raum zuständig, geo7 für Hangmuren und Permafrostdegradation.

Naturgefahrenereignisse nehmen weltweit stark zu (Abbildung unten). Unter der Prämisse des Klimawandels ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung so weiter gehen wird. Um Menschenleben und Sachwerte vor den zunehmenden Naturgefahren zu schützen sind weitere Massnahmen notwendig. Diese umfassen neben raumplanierischen, baulichen, ingenieur-biologischen insbesondere auch organisatorische Massnahmen. Hier kommt der Warnung eine grosse Bedeutung zu, da mit solchen Massnahmen sehr flexibel auf verändere Rahmenbedingungen, z.B. als Folge des Klimawandels, reagiert werden kann.

Anzahl der weltweiten Naturkatastrophen, 1980 - 2018 (Anzahl der relevanten Ereignisse nach Gefährdung) (2019 Munich Re, Geo Risks Research, NatCatSERVICE. As of March 2019.)
Anzahl der weltweiten Naturkatastrophen, 1980 - 2018 (Anzahl der relevanten Ereignisse nach Gefährdung) (2019 Munich Re, Geo Risks Research, NatCatSERVICE. As of March 2019.)

 

Das Projekt ANYWHERE im Rahmen von Horizon2020 hat zum Ziel, basierend auf bestehenden Methoden und Ansätzen Instrumente für die Frühwarnung und das Nowcasting zur Verfügung zu stellen. Durch die Überlagerung der von den Gefahrenprozessen betroffenen Gebiete mit dem Schadenpotenzial kann der erwartete Impakt abgeschätzt werden. Damit wird der Wert von Warnungen für die konkrete Planung von Massnahmen wesentlich erhöht.

Das Projekt wird von einem Konsortium von über 30 Mitgliedern getragen.
geo7 ist mit zwei Teilprojekten als Umsetzungspartner vertreten:

  • An information platform for decision making - shallow spontaneous landslides:
    Mit Hilfe eines Ähnlichkeitsansatzes wird die aktuelle hydrometeorologische Situation mit derjenigen früherer Ereignisse von Hangmuren und spontanen flachgründigen Rutschungen verglichen. Diese Analyse wird für fünf Regionen im Kanton Bern durchgeführt.
    Simulation spontane, flachgründige Rutschungen: Intensität – Niederschlagsdauer-Beziehung der vergangenen Ereignisse (graue Kreise) im Vergleich mit der aktuellen Situation bei den Referenzstationen und künftigen Entwicklung (schwarze Pfeile) aufgrund der COSMO-E Wetterprognose.
    Simulation spontane, flachgründige Rutschungen: Intensität – Niederschlagsdauer-Beziehung der vergangenen Ereignisse (graue Kreise) im Vergleich mit der aktuellen Situation bei den Referenzstationen und künftigen Entwicklung (schwarze Pfeile) aufgrund der COSMO-E Wetterprognose.
     
  • Early warning approach for permafrost degradation and related process chains:
    Mit Hilfe des am SLF entwickelten Simulationsmodells Snowpack wird für vier Standorte (Konfigurationen) der Zustand des Permafrostes wöchentlich anhand von Meteodaten simuliert. In einem weiteren Schritt soll basierend auf Saisonprognosen die weitere Entwicklung in den Permafrostkörpern abgeschätzt werden.
    Simulation Luft- und Oberflächentemperaturverlauf, Verlauf Schneedecke und Temperaturverlauf im Felskörper. Standort Rottalgrat, Jungfrau, 2990 m ü.M.
    Simulation Luft- und Oberflächentemperaturverlauf, Verlauf Schneedecke und Temperaturverlauf im Felskörper. Standort Rottalgrat, Jungfrau, 2990 m ü.M.

 

Bei der Abschlusskonferenz vom 29. bis 31. Oktober 2019 in Brüssel zeigte sich, dass im Projekt grosse Fortschritte erzielt wurden. Pilotplattformen und Prototypen stehen nun für Überflutung, Flashfloods (Starkregen, Oberflächenabfluss), Sturmfluten, Stürme, Hitzewellen, Waldbrände, Schneestürme und eben auch für Hangmuren und Permafrostdegradation zur Verfügung. Nun wird es darum gehen, diese in einen operationellen Betrieb zu überführen. geo7 will auch hier einen wesentlichen Beitrag leisten. Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt der Film "ANYWHERE: A Paradigm change to face extreme weather", der in Brüssel Permiere hatte, ganz eindrücklich.